ASD/PFO erklärt

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Erna
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ASD/PFO erklärt

Beitrag von Erna » 27. Mai 2017, 18:18

Bevor Ihr diesen Artikel lest, weise ich euch noch mal darauf hin, dass auch gleiche angeborene Herzfehler sehr unterschiedlich sein können, und ich nicht alle möglichen Varianten aufführen kann.
ASD-PFOKlein.jpg
1 Obere Hohlvene (Superior Vena Cava)
2 Untere Hohlvene (Inferior Vena Cava)
3 Rechter Vorhof (rechtes Atrium)
4 Trikuspidalklappe (rechte AV-Klappe)
5 Rechte Herzkammer (rechter Ventrikel)
6 Pulmonalklappe (Pulmonal Valve)
7 Pulmonalarterie
8 Pulmonalvenen
9 Linker Vorhof (linkes Atrium)
10 Mitralklappe (linke AV-Klappe)
11 Linke Kammer (linker Ventrikel)
12 Aortenklappe
13 Aortenbogen
14 Sinusknoten
15 Atrioventrikularknoten (AV-Knoten)
16 His-Bündel
17 Vorhofscheidewand (Atriumseptum) mit Defekt
18 Kammerscheidewand (Ventrikelseptum)
19 Herzwand

Der Atriumseptumdefekt (ASD) ist ein (oder mehrere) Loch (Defekt) in der Herzscheidewand (Septum) zwischen den Vorhöfen (Atrium). Mit ca. 7-12% aller angeborenen Herzfehler (AHF) gehört er (isoliert, d. h. ohne weitere Herzerkrankungen) zu den häufigsten Fehlbildungen des Herzens. Mädchen sind öfter betroffen als Jungen (ca. 2-3:1). In vielen Fällen wird ein ASD erst im Erwachsenenalter entdeckt.

Man unterscheidet vier Typen:

Beim Ostium-Sekundum-Typ (ASD II) liegt das Loch in der Mitte des Septums. Dieser Typ ist mit ca. 80% der häufigste. Dieser Defekt kann in der Regel per Katheter mit einem Schirmchen verschlossen werden.

Der Ostium-Primum-Typ (ASD I) ist seltener, als der ASD II (ca. 15 %). Hier liegt das Loch im unteren Teil des Septums an den Klappen. Dadurch ist dieser Typ oft mit Fehlbildung der Mitral-, seltener mit der Trikuspidalklappe verbunden. Dieser Defekt wird in der Regel mit einem Patch aus Kunststoff oder körpereigenem Gewebe verschlossen. Dazu muss eine OP am offenen Herzen erfolgen.

Der Sinus-Venosus-Typ kann sowohl am oberen (5%) Rand des Atriumseptums (an der Mündung der Oberen Hohlvene), als auch am Unteren (>1%, an der Mündung der Unteren Hohlvene) liegen. Er wird oft mit einer Fehleinmündung der Pulmonalvenen oder einer Fehlbildung der Hohlvenen nachgewiesen. Dieser Defekt muss in der Regel am offenen Herzen operiert werden. Oft erfolgt vorher ein Herzkatheter.

Das Persistierende Foramen Ovale (PFO) muss unabhängig von den anderen Typen betrachtet werden. Da die Lungen vor der Geburt noch keine Funktion haben, wird der Lungenkreislauf durch zwei Shunts (Verbindung zwischen zwei, normalerweise getrennten, Hohlräumen mit Flüssigkeitsaustausch), dem Foramen ovale in der Vorhofscheidewand und dem Duktus Aortorius zwischen Pulmonalarterie und Aorta, umgangen. Diese Shunts verschließen sich in den ersten Lebenstagen und Wochen. „Persistierend“ bedeutet andauernd/fortwährend, d. h. das Foramen Ovale verschießt sich nicht. Diese Form tritt bei etwa 5-10% der gesamten Bevölkerung auf, und ist meistens asymptomatisch (ohne Symptome). Es gibt einen Zusammenhang zwischen einem PFO und Migräne mit Aura (Wahrnehmungsstörungen der Sinne, vor allem des Sehens), aber die Forscher sind sich nicht sicher, wie das funktioniert.

ASDKlein.jpg
1 Vorhofscheidewand (Atriumseptum)
2 Rechter Vorhof (Atrium)
3 Trikuspidalklappe
4 Obere Hohlvene
5 Untere Hohlvene
6 Persistierendes Foramen Ovale (PFO)
7 Ostium-Sekundum-Typ (ASD II)
8 Osteum-Sekundum-Typ mit eingeschränktem Randsaum
9 Sinus-Venosus-Typ (Oben)
10 Sinus-Venosus-Typ (Unten)
11Ostium-Primum-Typ (ASD I)

Da sich ein ASD oft von selbst verschließt oder zumindest kleiner wird, wartet man in der Regel erst mal ab. Bei sehr großen Defekten oder einer Vergrößerung des rechten Herzens muss ein Verschluss aber häufig schon im Kleinkindalter erfolgen.

Da der Druck im Körperkreislauf, und somit in der linken Herzhälfte größer ist, kommt es bei einem Defekt der Herzscheidewand meistens zu einem Links-Rechts-Shunt. D. h. das schon mit Sauerstoff angereicherte Blut wird durch den Defekt wieder in den rechten Vorhof gedrückt, vermischt sich mit dem sauerstoffarmen Blut, und wird wieder in die Lunge gepumpt. Das Herz wird stärker belastet, weil es mehr pumpen muss, um alle Organe versorgen zu können.

Bei sehr großen Defekten kann es dadurch zur Pulmonalen Hypertonie kommen. Die Pulmonalarterie versucht den steigenden Druck auszugleichen, indem sie „die Muskeln anspannt“. Dadurch werden die Gefäßwände immer dicker, und der Durchmesser kleiner. Das Blut hat es immer schwieriger bis zur Lunge zu gelangen. Wird die Pulmonale Hypertonie nicht behandelt, kann es zur Shuntumkehr kommen, das heißt aus dem Links-Rechts-Shunt wird ein Rechts-Links-Shunt (Eisenmängersyndrom). Jetzt fließt das sauerstoffarme Blut auf die linke Seite des Herzens und vermischt sich dort mit dem sauerstoffreichen Blut. Die Sauerstoffsättigung sinkt und die Organe werden unterversorgt. Eine Shuntumkehr ist nicht mehr korrigierbar. Das Eisenmängersyndrom ist beim ASD sehr selten (>5%).

Patienten mit ASD können häufig ihren eigenen Herzschlag spüren (Palpitation). Sie sind in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt und bekommen Luftnot, wenn sie sich körperlich anstrengen. Infekte der Lunge treten öfter auf. Im Laufe der Zeit kommt es zu einer Rechtsherzinsuffizienz (das rechte Herz ist überbeansprucht, und kann das Blut nicht mehr richtig weiterpumpen. Es kommt zum Rückstau in den Körpervenen.) und häufigen Schmerzen im Brustbereich. Es können Ohnmachtsanfälle in Folge einer schlechten Durchblutung des Gehirns auftreten. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko von Vorhofflattern und -flimmern. Bei unbehandeltem ASD ist die Wahrscheinlichkeit an einem plötzlichen Herztot zu sterben erhöht. Die meisten Patienten haben aber bis in die 30er und 40er keine oder nur wenige dieser Symptome, trotzdem ist deren Auftreten sehr variabel!

Selten kommt es bei einem ASD zur paradoxen Embolie. Erhöht sich der Druck im rechten Herzen (durch eine Shuntumkehr, weitere Erkrankungen, aber auch Niesen, Husten, etc.) kann ein Blutgerinnsel (Thrombus) aus den Körpervenen direkt wieder in den Körperkreislauf wandern (vom Rechten in den linken Vorhof) ohne die Lunge zu passieren. Dieser Thrombus kann einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auslösen.

Da sich ein ASD oft von selbst verschließt oder zumindest kleiner wird, wartet man in der Regel erst mal ab. Bei sehr großen Defekten oder einer Vergrößerung des rechten Herzens muss ein Verschluss aber häufig schon im Kleinkindalter erfolgen.

Wenn möglich wird der ASD per Katheter verschlossen. Ist der Defekt zu groß, zu nahe am Rand der Vorhofscheidewand oder liegen mehrere Defekte vor, muss der Verschluss operativ erfolgen. Auch wenn mehrere Herzfehler vorhanden sind, kann ein Eingriff mit Herz-Lungen-Maschiene von Nöten sein.

SchirmchenKlein.jpg
Korrigierter ASD mit Doppelschirmchen. (Kathetermethode)
1 Rechter Vorhof
2 Linker Vorhof
3 Vorhofscheidewand (Vorhofseptum) mit Defekt

Bei bestimmten Syndromen fällt ein gehäuftes Erscheinen von ASD auf. Dazu gehören das Down-Syndrom, das Noonan-Syndrom, das DiGeorge-Syndrom, die Alkohol induzierte Embryopathie, das Holt-Oram-Syndrom, das Ellis-Van Creveld-Syndrom und das Heterotaxie-Syndrom.
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Birgit
Beiträge: 52
Registriert: 24. Mai 2017, 16:48

Re: ASD/PFO erklärt

Beitrag von Birgit » 27. Mai 2017, 20:32

Vielen Dank für die tolle Erklärung
Andi hat ja einen ASD II und wohl mehrere kleinere Löcher(letzte Auskunft), bis jetzt wird aber nichts gemacht, sie sagen immer alles sei noch im grünen Bereich. Hab jetzt aber gelesen bei deinen Erklärungen, das man da Probleme haben kann mit der Luft und Lunge, auch spürt Andi oft seinen Herzschlag recht doll. Werd ihn glaub ich doch mal wieder im KH vorstellen

Lg Biggi
Ich versuche jeden Tag,dem Leben mit einem Lächeln zu begegnen

angeey
Beiträge: 11
Registriert: 23. Mai 2017, 22:02

Re: ASD/PFO erklärt

Beitrag von angeey » 23. Jun 2017, 23:54

Wao Erna

Wo hast du diese Beiträge her??

Unsere Emily hatte 2 Jahre einen nicht erkannten ASD II von 15x20mm und schon eine sehr deutliche Rechtsherzvergrößerung als wir die Diagnose bekamen.

Wir bekamen viele Sprüche wie im Betrag “und plötzlich ist alles anders“ und ich hatte oft das Gefühl, nicht verstanden zu werden. Ich habe auch versuch, zu erklären was ein ADS ist und welche Risiken er birgt (bin Kinderkrankenschwester), damit man unsere Angst mal versteht .... dabei hätte ich deinen Beitrag echt gebrauchten können.

Vielen vielen Dank
Ich hoffe er hilft so noch vielen Familien
- Tochter Emily (04.2009)
27.03.2011 Diagnose ASD II
5.12.2011 TEE (Defekt 15x20mm. Verschluss per HK nicht möglich)
6.12.2011 OP Pericard Patch (Narkosevorfall + instabiler Septumsaum)
03.09.2012 Drahtbruch "mein Herzchen piekst"
29.11.2013 Zufalls-Diagnose: Doppelniere re.voll funktion fähig
seit März 2014 auf der Suche nach dem evtl. Unbekanntem "Extra" (Verdachtsdiagnose: Periodisches Fiebersyndrom) - NIX GEFUNDEN
Sprachverständnisstörung
Nykturie bei Blasendysfunktion
V.a. Wahrnehmungsstörung

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Erna
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Registriert: 23. Mai 2017, 22:08

Re: ASD/PFO erklärt

Beitrag von Erna » 24. Jun 2017, 22:19

Hallo angeey,
ich beschäftige mich viel mit medizinischen Themen, und dachte, möglicherweise können meine "Erkenntnisse" auch anderen weiterhelfen. Leider habe ich im Moment nicht genug Zeit um daran zu arbeiten, aber du motivierte mich :D Danke.
Grade beim ASD weiß ich viel, weil ich selbst betroffen bin, ansonsten arbeite ich vor allem mit pubmed, Wikipedia und Webseiten von verschiedenen Herzzentren/Universitäten.

Alles Liebe
Erna
*1994
Hypoplastisches Pulmonalarteriensystem (Valvuläre, Supravalvuläre und periphere Pulmonalarterienstenosen) mit R-L Shunt über PFO/ASD wegen Systemüberdruck im rechten Ventrikel
Alagille-Syndrom
'94 HK
'96 HK Valvulation der Pulmonalklappe
'04 HK
'15 HK mit Stent in LPA - disloziert nach proximal - Pulmonalklappeninsuffizienz
'15 HK mit Stent in RPA
'16 HK mit Stent in RPA
'17 Hysterektomie

18.12.17 HK mit Melody-Klappe geplant

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